Unsere Gesellschaft kann nicht ins Lot kommen, solange die Mann-Frau-Beziehung nicht im Lot ist. Und hier ist der Zeugungsmoment eines Kindes ein ganz besonderer Scheidepunkt. In diesem Moment kommen verschiedene Polaritäten zusammen: männliche und weibliche Energie, die Seele des Kindes und sein Körper, und zu den Rollen von Mann und Frau kommen die von Vater und Mutter dazu. Zu Lust und Leidenschaft der Sexualität kommt lebenslange Verantwortung. Hier ist der Ursprungspunkt nicht nur eines Kindes, sondern auch von einem tiefen Konflikt zwischen den Bedürfnissen nach Sicherheit und Versorgtsein und dem nach Freiheit. Mit der Heilung unseres eigenen Zeugungsmomentes ging es diesmal auch darum, dieses Feld auch für die ganze Gesellschaft in einen Raum der Heilung zu bringen.
Aufstellungsbeginn: Wir / die Teilnehmer, Vater, Mutter, unser Zeugungsmoment, die menschlichen Anteile von uns, die in dem Energiefeld unserer Zeugung keinen Raum fanden, unsere spirituellen und seelischen Anteile, die im Energiefeld unserer Zeugung keinen Raum fanden.
Wir: Ich wundere mich, dass hier im Raum, wo es um den Zeugungsmoment geht, Vater und Mutter weit auseinanderstehen.
Mir fehlt Lebendigkeit und Lebensfreude und die Verbindung mit meinen Seelenanteilen. Ich habe mir dafür Ersatz geschaffen, wie Süßigkeiten, Alkohol und viele andere Dinge, die mich aufrecht halten.
Vater: Mir geht es gut. (Er ist nicht sehr im Fühlen.)
Mutter: Mir geht es nicht gut.
In der Aufstellung zeigt sich im Zeugungsmoment eine kollektiv, archetypisch, patriarchal männliche Dominanz im Hintergrund des Vaters. In der Frau, die nun Mutter wird, ist die kollektiv, archetypische, matriarchale Mutter dahinter abgelehnt.
Beim Mann gibt es hier nämlich ein Trauma und eine tiefsitzende Angst. Sie hängt mit einem Gefühl, als Kind von der Mutter auf Gedeih und Verderb abhängig gewesen zu sein, zusammen. 9 Monate Zeit im Bauch der Mutter mit der Schutzlosigkeit und der Verletzlichkeit eines Embryos den Gefühlen und Energien der Mutter gegenüber. Und hier wurde auf der kollektiven Ebene die Erfahrung einer Mutter gemacht, die das starke männliche Ich nicht ehrt und wertschätzt, sondern eher verurteilt und ihm gegenüber Gefühle von Wut und Ablehnung in sich trägt.
Aus Angst und Trauma zieht sich der starke Mann als Erwachsener auf eine dominante Position zurück.
Die Frau wiederum fühlt sich eher als Opfer und empfindet diese Dominanz innerhalb unseres nach wie vor patriarchalen Gesellschaftssystems als gewaltvoll, auch im Zeugungsmoment.
Es gelingt in der Aufstellung zunächst nicht, Mann und Frau auf Augenhöhe zu bringen.
Es zeigte sich eine Kraft, die verhindern wollte, dass Mann und Frau zusammenfinden und sich mit der Zeugung eines Kindes zu eng miteinander verbinden. Sie fühlt sich dunkel und destruktiv an. Wir kennen diese Kraft schon aus vielen Aufstellungen. Sie ist unsere abgetrennte Ich-Kraft, die auf die Freiheit ausgerichtet ist. Sie wird je destruktiver, je mehr wir sie abspalten und verurteilen. Dann sucht sie nach Macht und allen möglichen Mitteln, um einen Platz im System zu behalten.
Die Freiheit: „Ich habe hier die Tendenz, eher nach oben wegzugehen. Aus der Ebene des Physischen und der Sexualität heraus in andere Ebenen hinein. Dort geht es mir aber gut.“
Die Ich-Kraft, ist ursprünglich unser sogenanntes unteres Selbst, das für uns in der physischen Welt sorgt und unser Selbst mit der Erde und der Materie verbindet. Sie will nicht zulassen, dass die Freiheit in höhere Ebenen weggeht. Sie will sie hier unten bei sich behalten.
Dazu schreitet sie ein, wenn Mann und Frau sich so eng verbinden, dass ihr individuelles Ich und ihre individuelle Freiheit verloren gehen. Das Ich kann in diesem Fall wieder einen Platz finden, wenn sie eine Trennung herbeiführt oder wenn sie sich in eine weibliche und männliche Dominanz zurückzieht, die dann miteinander um die Macht ringen.
Im Zeugungsmoment eines Kindes sind Mann und Frau engstens verbunden und es entstehen zudem durch das Kind starke Bindungen und Bedürfnisse nach Sicherheit und Versorgtsein. Da aber das Spüren des eigenen Ichs und die Erfahrung von Freiheit ein ebenso tiefes Grundbedürfnis in uns sind, entstand hier ein tiefer und destruktiver Konflikt auf der seelischen Ebene. Das Ich, das in der engen Verbindung auf der Herzebene keinen Platz mehr hatte, wollte Mann und Frau wieder auseinanderbringen. Es war nun selbst von der Herzebene getrennt.
In der Aufstellung zeigte sich nun aber der bessere Weg. Er bestand darin, dass sich Mann, Frau und Kind zu ihrem authentischen Ich finden, das auch nach oben und unten mit dem göttlich Männlichen und Weiblichen verbunden ist. Durch dieses Verbundensein löst sich der Widerspruch zwischen Freiheit auf der einen Seite und Sicherheit und Versorgtsein auf der anderen Seite auf. Freiheit und Sicherheit – beide findet man zuerst in sich selbst durch die Anbindung an die göttliche Quelle und die eigene Schöpferkraft.
Wenn Mann und Frau in der Sexualität und dann auch in der Zeugung eines Kindes sich mit ihrem Ich nicht ineinander verlieren, wird dieses Ich nicht ausgelagert und destruktiv.
Was genau braucht es, damit sich Mann und Frau nicht in ihrer Verbindung und (sexuellen) Verschmelzung ineinander verlieren?
Hier zeigte sich später Folgendes: In jedem von uns sind Vater und Mutter, männliche und weibliche Gene, männliche und weibliche Vorfahren präsent. Yin- und Yang-Anteile. Unsere Seele ist männlich und weiblich. In uns ist das Göttliche, das der Ursprung von allem Männlichen und Weiblichen ist.
Da wir uns aber in einem Körper und einer Persönlichkeit befinden, die männlich oder weiblich (oder auch divers) sind, suchen wir nach der Ergänzung in einem Gegenüber, um ganz und vollständig zu werden.
Das geht gut, wenn wir in dem Bewusstsein bleiben, dass jedes Gegenüber unsere eigene Seele widerspiegelt. Dass wir alles in uns selbst haben und wir im Gegenüber uns selbst finden. Dann bleiben wir auch in der tiefsten, auch sexuellen, Verschmelzung mit einem Gegenüber bei uns selbst. Wie können uns auch gut wieder daraus lösen, weil wir ja im Bewusstsein sind, dass wir die Vollständigkeit in uns selbst haben.
Wenn wir aber in der Illusion sind, dass wir ohne das Gegenüber nicht ganz und vollständig, sondern im Mangel sind, dann verlieren wir unsere Zentrierung in unserem Ich und schaffen ungesunde Beziehungen und Abhängigkeiten.
So entdeckte hier in der Aufstellung der Mann nun auch, dass die archetypische Mutter auch in ihm selbst ist und nicht nur im Außen, wo es ihn fremdbestimmt, und umgekehrt die Frau, dass sie ihre Sehnsucht nach dem Männlichen in dem göttlichen Männlichen, das auch in ihr ist, ihre Stillung findet.
Jetzt konnte sich das ganze Feld entspannen. Auch unser Zeugungsmoment wollte in diese Anbindung nach oben und unten an das Göttliche kommen. Dies löste bei uns eine große Erleichterung aus.
Das Gefühl bei Mann, Frau und Kind, dass die göttliche Quelle sicher für einen jeden sorgt, brachte weiter große Entlastung und Freiheit in das System.
Es brauchte noch weitere achtsame Schritte der Heilung und Versöhnung bei Mann und Frau.
In einem Moment tauchte die Situation auf, wenn die Kinder erwachsen geworden sind und aus dem Haus gehen. Hier tauchte bei der Frau und Mutter eine Depression auf, weil sie sich selbst und ihre Bedürfnisse zugunsten der Kinder ganz zurückgenommen hatte. Es kam der Schmerz der Unterdrückung des eigenen Ichs hoch und meldete sich.
Bei der Freiheit war im Bereich der Sexualität noch etwas zu heilen. Mann und Frau mussten die Sexualität von Scham und Schuld befreien und alte Verletzungen und Ängste loslassen, die entstanden waren, weil sie nicht bei sich in ihrer Mitte und in der Anbindung an das göttlich Männliche und Weibliche waren.
Die menschlichen Seelenanteile, die bei unserer Zeugung nicht das nötige Energiefeld gehabt haben, um mit zu inkarnieren, konnten nun auch über die Eltern zu uns kommen und sich bei uns integrieren. Zuvor geschah hier noch ein Moment der Heilung im Ahnenfeld, das im Zeugungsmoment über die Gene voll präsent ist.
Unsere spirituellen Anteile konnten uns auch sehr nahe kommen. Sie benötigen aber noch weitere Schritte.
Während die archetypische Mutter ja am Anfang abgelehnt in der Ecke stand, konnte sie nun mit uns in Verbindung kommen. Sie hatte sich verändert und war nun offen und konnte das starke Ich des Kindes ehren. Als sie in die Mitte des Raumes kam, war ihre große, nährende Kraft zu spüren, die Ehrfurcht hervorrief.
Hier war zu spüren, dass sich das Thema in der nächsten Aufstellung fortsetzen kann, wenn wir die Rolle des Geldes in unserer Gesellschaft in Beziehung setzen mit der archetypischen nährenden Mutter, die für uns alle sorgt.